Im Regelwerk der Unfallversicherungsträger wird für den Bereich der Abfallwirtschaft die Unfallverhütungsvorschrift „Müllbeseitigung“ (GUV-V C 27) nicht fortgeschrieben. Zukünftig sollen GUV-Regeln „Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten der Abfallwirtschaft“ diesen Bereich abdecken. Sie geben Hilfestellung bei der Umsetzung der Pflichten aus den staatlichen Arbeitsschutzvorschriften und/oder Unfallverhütungsvorschriften und zeigen Wege auf, wie Arbeitsunfälle, Berufskrankheiten und arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren vermieden werden können.

Die GUV-Regeln zeigen für einen bestimmten Bereich den Stand der Technik auf und sind somit bei der Erstellung der Gefährdungsbeurteilung die erste Informationsquelle, mit der die betrieblichen Gegebenheiten abgestimmt werden können. 

Als erste Regel für den Bereich der Abfallwirtschaft erschien in 2007  der „Teil 1: Sammlung und Transport von Abfall“ (GUV-R 238-1). Diese GUV-Regel findet Anwendung auf die Sammlung bzw. das Laden oder Umladen von Siedlungsabfällen und Rückständen aus Abfallbehandlungsanlagen sowie deren Transport bis zur Übergabe. Sie gilt ebenfalls für den Betrieb der hierfür erforderlichen Betriebsanlagen, Einrichtungen, Fahrzeuge, Maschinen, Geräte und Ausrüstungen.

Zurzeit wir der Teil 2 „Behandlung von Abfall“ erarbeitet, der den Bereich von  Abfallbehandlungsanlagen zur Gewinnung von Wertstoffen, Ersatzbrennstoffen oder deponierfähigen Stoffen aus Abfällen abdecken soll.

Zur GUV-Regel „Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten der Abfallwirtschaft – Teil 1: Sammlung und Transport von Abfall“ (GUV-R 238-1) gelangen Sie hier.

Ein Bestandteil der gemeinsamen deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA) ist das Arbeitsprogramm „Sicher fahren und transportieren“. Das Arbeitsprogramm besteht aus mehreren Modulen, darunter auch das Modul 13 „Abfallsammlung“. In Form eines Gesprächsleitfadens finden Sie hier Hinweise über grundlegende Arbeitsschutz-Anforderungen, die bei der Abfallsammlung berücksichtigt werden müssen. Ergänzt und weiter erklärt werden die Hinweise durch die GUV-Regel „Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten der Abfallwirtschaft – Teil 1: Sammlung und Transport von Abfall“ (GUV-R 238-1). Mit dem Gespächsleitfaden und der GUV-Regel haben Sie die Möglichkeit Ihre Gefährdungsbeurteilung zu überprüfen und festzustellen, ob den besonderen Gefahren und Belastungen der Abfallsammlung, ausreichend begegnet wird.

GDA-Gesprächsleitfaden "Abfallsammlung"

Regel: Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten in der Abfallwirtschaft

Hinweise zur GDA finden Sie hier: www.gda-portal.de  

Diese Information gibt Hinweise zur Erstellung von Betriebsanweisungen nach § 12 der Biostoffverordnung. Darüber hinaus enthält sie zahlreiche Praxisbeispiele, darunter auch aus dem Bereich der Abfallwirtschaft.

Die Praxisbeispiele können nur als Vorlage dienen. Wie eine konkrete Betriebsanweisung für Ihren Betrieb aussehen kann, ist abhängig von den Arbeitsverfahren und Tätigkeitsabläufen bei Ihnen vor Ort. Überprüfen Sie im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung, ob die bereits vorhandenen betrieblichen Regelungen die Arbeitsverfahren und Tätigkeiten bereits abdecken oder eine Überarbeitung  erforderlich ist.

Lassen Sie sich hierzu von Ihrer betriebsärztlichen und sicherheitstechnischen Betreuung beraten

  • Fahrzeugwaschanlage, Waschhalle

  • Wassergemischter Kühlschmierstoff (KSS)

  •  Reparatur- und Instandsetzungsarbeiten an Desinfektions- und Reinigungsautomaten

  • Reparatur- und Wartungsarbeiten – Kontakt mit Tier-/Knochenmehl in Zementwerken

  • Wartung/Instandhaltung von Medizingeräten

  • Toilettenservice an Luftfahrzeugen

  • Taubenkot – Reinigungsarbeiten Brücke

  •  Bauarbeiten auf der Hausmülldeponie

  • Anlieferung/Lagerung von Sortiergut

  • Ballenpresse

  • Sortierkabine/Sortierband: Manuelle Sortierung

  • Radladerfahrer

  • Arbeiten im Mull-/Sperrmüllbunker einer MVA

  • Krankenhausreinigungsarbeiten

  • Wäscherei, unreine Seite

  • Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen der Risikogruppe 2 in Laboratorien

  • Tätigkeiten mit Clostridium tetani im Labor

 
Hier können Sie die Broschüre im pdf-Format herunterladen:

Für die Abfallsammlung stellt die Unfallkasse NRW eine Zusammenfassung der maßgeblichen Regelungen für den Umgang mit biologischen Arbeitsstoffen zur Verfügung.

Abgestimmt auf die Risikogruppen der Biostoffverordnung  ist mit einem Blick ersichtlich, wo mit dem Vorkommen biologischer Arbeitsstoffe zu rechnen ist und welche TRBA  hierzu den Stand der betrieblichen Anforderungen beschreibt. Anhand einer kleinen Checkliste können Sie feststellen, ob zu diesen Anforderungen entsprechende betriebliche Regelungen getroffen sind.

Bei der Überprüfung und Fortschreibung der Gefährdungsbeurteilung sind die betrieblichen Gegebenheiten mit den entsprechenden Technischen Regeln für Biologische Arbeitsstoffe abzugleichen. Lassen Sie sich hierzu von Ihrer betriebsärztlichen und sicherheitstechnischen Betreuung beraten.

Umsetzung der Biostoffverordnung bei der Abfallsammlung

Für Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen bei der Abfallsammlung stellt die Unfallkasse NRW eine Betriebsanweisung gemäß § 12 Biostoffverordnung zur Verfügung. Die Betriebsanweisung wurde unter Berücksichtigung der Technischen Regel für Biologische Arbeitsstoffe „TRBA 213 – Abfallsammlung: Schutzmaßnahmen“ und der GUV-Regel „Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten der Abfallwirtschaft; Teil 1: Sammlung und Transport von Abfall“ GUV-R 238-1) aufgestellt. Sie ist an die betrieblichen Gegebenheiten anzupassen.

Abfallsammlung - Betriebsanweisung gemäß § 12 Biostoffverordnung

Durch regelmäßige Reinigungsmaßnahmen kann die Konzentration von biologischen Arbeitsstoffen in der Luft reduziert werden. Dazu ist die Aufstellung eines Reinigungs- und Hygieneplanes erforderlich. Für den Bereich der Abfallsammlung stellt die Unfallkasse Nordrhein-Westfalen einen solchen Plan zum Herunterladen zur Verfügung. Der Reinigungs- und Hygieneplan wurde unter Berücksichtigung der Technischen Regeln für Biologische Arbeitsstoffe „TRBA 213 - Abfallsammlung: Schutzmaßnahmen“ und „TRBA 500 - Allgemeine Hygienemaßnahmen: Mindestanforderungen“ aufgestellt. Er ist an die betrieblichen Gegebenheiten anzupassen.

Reinigungs- und Hygieneplan

Bei der Abfallsammlung müssen sich die Beschäftigten ständig mit den besonderen Gefahren des Straßenverkehrs auseinandersetzen. Nur „geschützt“ durch die gute Sichtbarkeit der Warnkleidung und der Abfallsammelfahrzeuge, verrichten sie ihre Tätigkeiten in Verkehrsbereichen, die auch von anderen Verkehrsteilnehmern befahren werden. Auf deren partnerschaftliches Verhalten im Straßenverkehr können die Beschäftigten dabei oft nur hoffen. Durch Verkehrsunfälle verletzte oder gar getötete Abfalllader sind in der Abfallwirtschaft keine Seltenheit.

Es sind aber nicht „immer nur die anderen“ Verkehrsteilnehmer, die diese Unfälle verursachen. Häufig werden Abfalllader auch durch die eigenen Abfallsammelfahrzeuge, insbesondere beim Rückwärtsfahren und beim Zurücksetzen verletzt. So auch in diesem Jahr, als bei einem kommunalen Entsorgungsunternehmen in Süddeutschland ein Abfalllader vom  Abfallsammelfahrzeug erfasst und getötet wurde. Der Fahrzeugführer wurde bei der Rückwärtsfahrt nicht eingewiesen bzw. hat sich nicht einweisen lassen.

Im Zuständigkeitsbereich der Unfallkasse NRW kam es in den letzten Jahren ebenfalls zu mehreren Verkehrsunfällen von Abfallladern, die durch das eigene Abfallsammelfahrzeug verletzt wurden. Dabei wurden auch Beschäftigte verletzt, die das Fahrzeug eigentlich einweisen sollten.

Das Rückwärtsfahren und das Zurücksetzen von Abfallsammelfahrzeugen sind besonders gefährliche Verkehrsvorgänge, die nach Möglichkeit vermieden werden sollten. Betrieblicherseits muss  die Sammelfahrt deshalb so geplant und überprüft werden, dass ein Rückwärtsfahren nicht erforderlich ist. Sollten sich hiervon Abweichungen ergeben, sei es durch örtliche Veränderungen, die sich im Laufe der Zeit einstellen können oder durch übermäßige Behinderungen in zu geparkten Straßen, müssen die Beschäftigten angehalten sein, ihre Vorgesetzten darüber zu informieren. An dieser Stelle sei extra noch einmal erwähnt, dass es bei schweren Schadensereignissen zu einem staatsanwaltlichen Ermittlungsverfahren kommt, bei dem sich nicht nur der Fahrzeugführer verantworten muss. Hier wird auch überprüft, ob ein Organisationsverschulden vorgesetzter Stellen vorliegen kann.
Staatsanwälte wissen was eine Gefährdungsbeurteilung ist und kennen auch den Tatbestand des Unterlassens.

Von den Beschäftigten wird bei der Abfallsammlung aufgrund der vielfältig vorhandenen Gefahren im besonderen Maße verlangt, dass sie sich sicherheitsgerecht verhalten. Oft erscheint es, dass das Rückwärtsfahren oder das Zurücksetzen ohne Einweiser als eine Art „Kavaliersdelikt“ angesehen wird. Hier muss in den Unterweisungen und im betrieblichen Alltag gegengesteuert werden.

Es muss u.a. gelebte betriebliche Praxis sein, dass

  • Fahrzeuge bei unvermeidlichen Rückwärtsfahrten und beim Zurücksetzen eingewiesen werden und die Heckkamera kein Ersatz für den Einweiser ist;

  • zwischen dem Fahrzeugführer und dem Einweiser ständig Blickkontakt bestehen muss und eine Verständigung über geeignete Handzeichen erfolgt.

Dazu bieten sich im Rahmen der Unterweisung u. a. praktische Übungen auf dem Betriebshof an, bei denen Fahrzeugführer und Einweiser gemeinsam einen kleinen Parcours absolvieren müssen.

Lassen Sie sich dazu von Ihrer betriebsärztlichen und sicherheitstechnischen Betreuung beraten.

Weitergehende Hinweise zu der Thematik „Rückwärtsfahren“ finden sich in der GUV-Regel „Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten der Abfallwirtschaft – Teil 1: Sammlung und Transport von Abfall“ (DGUV Regel 114-013).

Zu den Ausführungen in der GUV-Regel stellt die Unfallkasse NRW Arbeitshilfen zur Verfügung, die für die Unterweisung der Beschäftigten und für die Bordausstattung der Abfallsammelfahrzeuge eingesetzt werden können.

die Betriebsanweisung „Abfallsammlung – Rückwärtsfahren mit Abfallsammelfahrzeugen“ (Teil 1)

eine Skizze „Sicherheitsgerechtes Verhalten beim Rückwärtsfahren und Einweisen“ (Teil 2)

das Merkblatt „Handzeichen für Einweiser“ (Teil 3)

eine Vorlage zur Erstellung von Einweiserkarten (Teil 4)

 

 

Der Vortrag wurde gehalten auf der VKU-Fachtagung der Landesgruppe Nordrhein-Westfalen am 8. September 2015.

Hier können Sie die Vortrag herunterladen: Vortrag

Demografischer Wandel in der Abfallwirtschaft

Vortrag: Demografischer Wandel als Chance
Dr. Kerstin Bernholz, Entsorgungsbetriebe Essen

Vortrag: Arbeit und Altern
Dr. med. Eberhard Jacob,

Vortrag: AWB 50plus - Gemeinsam in die Zukunft
Rainer Foerges, AWB Köln

Die Unfallkasse NRW stellt für die Erstellung von Betriebsanweisungen für die Abfallsammlung Textbausteine zur Verfügung.

Die vielfältigen Tätigkeiten bei der Abfallsammlung bringen es mit sich, dass es eine große Anzahl möglicher Gefahren gibt und eine noch größere Anzahl von Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln, die zur Gefahrenabwehr ergriffen werden können. Um hier den Überblick zu behalten wurden die Textbausteine auf den Grundlagen des Regelwerkes und den Erfahrungen der betrieblichen Praxis erstellt.  Sie umfassen die Bereiche „Gefahren für Mensch und Umwelt“ und „Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln“.

Die Textbausteine sind eine Hilfestellung. Sie beschreiben mögliche Inhalte einer Betriebsanweisung. Welche Inhalte nun mit welcher Formulierung bei der Erstellung einer konkreten betrieblichen Betriebsanweisung verwendet werden, muss eigenverantwortlich festgelegt werden.

Textbausteine Abfallsammlung

Die Sammlung und Kultivierung von Schimmelpilzen ist ein bewährtes und seit langem praktiziertes Verfahren zur Beurteilung der Schimmelpilzbelastung und der Wirkung von Schutzmaßnahmen an Arbeitsplätzen [siehe auch Artikel unter Webcode N0904]. Unter dem Aspekt der sensibilisierenden Wirkung von Schimmelpilzen ist die Methode jedoch nur bedingt aussagekräftig, da nur kultivierbare Schimmelpilze in das Ergebnis eingehen.

Abgestorbene Schimmelpilze finden keinen Eingang in die Beurteilung und ein Rückschluss auf die Belastungshöhe durch das sensibilisierende Antigen ist so nicht möglich. Es ist somit von Interesse, mehr über Antigene an Arbeitsplätzen in Erfahrung zu bringen und Rückschlüsse auf das Verhältnis zu den kultivierbaren Schimmelpilzen zu ziehen. In einer Studie der Unfallkasse NRW und des Instituts für Prävention und Arbeitsmedizin der deutschen gesetzlichen Unfallversicherung (IPA) wurden an Arbeitsplätzen in der Abfallsammlung parallel zu den kultivierbaren Schimmelpilzen Staub, Endotoxin und diverse Antigene in schimmelpilzartigem Staub ermittelt. Den vollständigen Artikel aus der Zeitschrift "Gefahrstoffe - Reinhaltung der Luft" (www.gefahrstoffe.de) finden Sie hier.