Nachrichten der Unfallkasse NRW

Versicherungsschutz bei Erkrankungen durch das Coronavirus

Das Bild zeigt das Coronavirus
Bild: pixabay.com
[27.03.2020]

Infektionen mit SARS-CoV-2 (Coronavirus, COVID-19) stellen mittlerweile eine Allgemeingefahr dar. Von einer Allgemeingefahr ist auszugehen, wenn in einem bestimmten Gebiet alle Menschen mehr oder minder gleich bedroht sind. Die WHO hat die Verbreitung des SARS-CoV-2 als Pandemie eingestuft. Daher ist nun von einer weltweiten Allgemeingefahr auszugehen.

COVID-19-Erkrankungen als Berufskrankheit
COVID-19-Erkrankungen können die Voraussetzungen der Berufskrankheit 3101 erfüllen. Davon umfasst sind „Infektionskrankheiten, wenn der Versicherte im Gesundheitsdienst, in der Wohlfahrtspflege oder in einem Laboratorium tätig oder durch eine andere Tätigkeit der Infektionsgefahr in ähnlichem Maße besonders ausgesetzt war“. COVID-19-Erkrankungen fallen grundsätzlich dann unter die Nr. 3101 der Anlage zur Berufskrankheiten-Verordnung (BKV), wenn sie bei Versicherten auftreten, die infolge der Ausübung ihrer beruflichen Tätigkeit in bestimmten Bereichen einer gegenüber der allgemeinen Bevölkerung wesentlich erhöhten Infektionsgefahr ausgesetzt waren. Die Allgemeingefahr tritt dabei wegen des erhöhten beruflichen Risikos in den Hintergrund.

Dies trifft hauptsächlich auf das Personal in stationären oder ambulanten medizinischen Einrichtungen der Human- und Zahnmedizin, in wohlfahrtspflegerischen Einrichtungen und Laboratorien zu. Außerdem können in diesen Bereichen kurzfristig mit Arbeiten wie Warten, Instandsetzen oder Entsorgen tätige Personen betroffen sein. Ein Risiko in ähnlichem Maße kann auch bei Tätigkeiten in der Gentechnik, Biotechnologie, in Abwasser- und Kläranlagen bestehen. In Betracht kommen aber auch Versicherte im Rettungswesen (unter anderem Angehörige der Freiwilligen Feuerwehren).

  •  Eine BK-Anzeige kann auf folgender Grundlage erfolgen:
    • eine positive Testung
    • entsprechende Krankheitsanzeichen
    • sowie die Vermutung eines Infektionsweges über die berufliche Tätigkeit

COVID-19-Erkrankungen als Arbeitsunfall
Erkrankungen in Folge einer Infektion mit COVID-19 sind keine Arbeitsunfälle. Ein Arbeitsunfall liegt nicht vor, wenn sich eine Gefahr verwirklicht, von der ein Versicherter zur selben Zeit und mit gleicher Schwere auch außerhalb seiner versicherten Tätigkeit betroffen gewesen wäre. Da derzeit die Ansteckungsgefahr allgegenwärtig ist, sind alle Menschen in Nordrhein-Westfalen dem Risiko im Wesentlichen gleich ausgesetzt, so dass ein spezifisches berufliches Risiko nicht mehr besteht.
 
Nur ausnahmsweise können bestimmte Personengruppen einem spezifischem Risiko ausgesetzt sein, wie z.B. Beschäftigte im Gesundheitswesen. Die Anerkennung eines Arbeitsunfalls erfordert aber einen genauen Nachweis eines Unfallhergangs, also konkret einer konkreten Ansteckung zu einem bestimmten Zeitpunkt (innerhalb eines konkreten Arbeitstages). Ein solcher Nachweis wird in der aktuellen Situation aufgrund der Allgegenwärtigkeit der Ansteckungsgefahren nicht zu führen sein.

Daher sind:

  • Verdachtsfälle und COVID-19-Erkrankungen derzeit grundsätzlich nicht durch die Unternehmen oder die D-Ärzte als Arbeitsunfall zu melden.
  • Eine Vorstellung beim Durchgangsarzt bei einem Verdacht auf eine COVID-19-Erkrankung soll nicht erfolgen.

Nach den Empfehlungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sollen sich Menschen, die eine Infektion vermuten, an das zuständige örtliche Gesundheitsamt wenden, das dann die weitere Koordination übernimmt.

Arbeitgebende sollten aber etwaige Erkrankungsfälle (nachgewiesene Infektion mit positiver Testung und Krankheitsanzeichen), die durch einen ganz engen beruflichen Bezug entstanden sind, intern dokumentieren. Wenn sich später schwere Verläufe zeigen, werden dadurch etwaige Nachweisrisiken minimiert.