Nachrichten der Unfallkasse NRW

Sicher und gesund führen in der Pandemiezeit

Die Grafik erläuter in einfachen Piktogrammen und kurzen Sätzen die wichtigsten Tipps
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[12.05.2020]

Nicht nur private Unternehmen müssen auf die Anforderungen reagieren, die die Corona-Krise mit sich bringt. Auch die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes und deren Führungskräfte werden mit der Corona-Krise vor eine große Herausforderung gestellt.

Die Handlungsfelder der Kampagne kommmitmensch geben Unternehmen und Bildungseinrichtungen einen Handlungsrahmen an die Hand, um auch in einer Krisensituation sicheres und gesundes Arbeiten zu ermöglichen. Der wesentliche Erfolgsfaktor für ein adäquates Krisenmanagement ist eine besonnene und souveräne Führung.

Wir haben fünf Tipps zusammengestellt, die Ihnen helfen können, sich und Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sicher und gesund durch die Krise zu führen.

1: Mitarbeitende als Experten ihrer Tätigkeit einbinden
In Krisenzeiten haben Führungskräfte mehr denn je einen schwierigen Job. Einerseits sind die Vorgaben der Unternehmensleitung als Leitplanken ihres Handelns zu beachten, andererseits möchten sie den Anliegen und Bedürfnissen ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gerecht werden.

Tipp: Fragen Sie Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ganz direkt, welche Ideen sie haben, um die Arbeit auch unter den momentanen Einschränkungen gemeinsam gut zu bewältigen. Sprechen Sie darüber, was sie sich gerade in dieser Situation von Ihnen erhoffen und nutzen Sie die fachliche Expertise Ihres Teams. Zeigen Sie gleichzeitig auf, dass Sie sich als Führungskraft gerade in einer Ausnahmesituation befinden: Sie sind an Vorgaben gebunden, müssen schnell und flexibel Entscheidungen treffen, die sich im Nachhinein als nicht optimal herausstellen können. Machen Sie deutlich, dass es darum geht, gemeinsam an einem Strang zu ziehen, um Lösungen zu finden.

2: Unterschiedliche Belastungen berücksichtigen
Viele Beschäftigte haben Angehörige, die aufgrund der Pandemie in Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit geraten sind oder Kinder, die im Homeoffice mitbetreut werden müssen. Möglicherweise sind auch Mitglieder Ihres Teams durch die Pandemie nicht nur in ihrem beruflichen Umfeld von plötzlichen Veränderungen betroffen, sondern müssen auch die häusliche Umgebung neu organisieren. Dazu kommt Unsicherheit, da niemand genau sagen kann, wie sich die Lage entwickelt.

Diese veränderten Gegebenheiten lösen unterschiedliche Emotionen in den Menschen aus. Die einen bleiben auch jetzt optimistisch und zuversichtlich und können mit der neuen Lage gut umgehen. Für andere bedeutet die Pandemie eine unkontrollierbare Bedrohung und verursacht Unsicherheit, Angst und Stress.

Tipp: Erkennen Sie die unterschiedliche Belastungslage der einzelnen Mitglieder Ihres Teams an und berücksichtigen Sie bei der Beurteilung von Leistungen die momentane Situation. Versuchen Sie gemeinsam in vertraulichen Gesprächen gute Lösungen für jeden zu finden. Wo liegt die Stärke der Mitarbeiterin/des Mitarbeiters? Welche Eigenschaften kommen ihr oder ihm jetzt zugute? Welche Chancen liegen in der veränderten Situation? Welche Unterstützung können Sie oder die anderen Kolleginnen und Kollegen geben?

3: Arbeitsschutzkonzepte nutzen und Gefährdungen beurteilen
Die Herausforderungen, die die Corona-Krise in Bezug auf den Arbeitsschutz mit sich bringt, waren in diesem Ausmaß kaum vorhersehbar. Demzufolge müssen Notfall-Konzepte in den Unternehmen erstellt oder vorhandene angepasst werden.

Unabhängig davon, ob in Ihrem Unternehmen an einem für alle Abteilungen gültigen Notfall-Konzept gearbeitet wird: Sie sind als Führungskraft für die Anfertigung einer Gefährdungsbeurteilung und die Umsetzung entsprechender Arbeits- und Gesundheitsschutzmaßnahmen verantwortlich.

Tipp: Fordern Sie aktiv Unterstützung bei Ihren betrieblichen Arbeitsschutzakteuren wie den Fachkräften für Arbeitssicherheit, Betriebsärztinnen und -ärzten, Sicherheitsbeauftragten und Gesundheitsmanagern ein. Auch bestehende Kontakte zu Führungskräften aus anderen Unternehmen und deren Erfahrungen können Sie sich in Krisenzeiten zunutze machen.

Übertragen Sie die allgemein gültigen Maßnahmen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales direkt in Ihre Gefährdungsbeurteilung und ergänzen Sie sie um betriebsspezifische und/oder tätigkeitsspezifische Maßnahmen.

Dokumentieren Sie, was gut funktioniert und wo es Verbesserungsmöglichkeiten gibt. Viele weitere Informationen und Hinweise finden Sie im Internet auf unserer Sonderseite zum Coronavirus unter dem Stichwort „Betriebe“.

4: Führen bis ins Homeoffice
Viele Beschäftigte haben von heute auf morgen das Büro geräumt und sind ins Homeoffice umgezogen. Plötzlich ändern sich alle Rahmenbedingungen. Soziale Kontakte fallen weg, familiäre Abläufe müssen umorganisiert werden, die Kommunikation wird schwieriger und technische Herausforderungen müssen bewältigt werden. Auch hier sind Führungskräfte gefordert. Sie stehen selbst vor einer besonderen Situation und da lohnt es sich, auch mal ungewohnte Wege zu gehen. Homeoffice heißt auch, dass man als Führungskraft weniger Einfluss auf das Wie und Wann hat. Das bedeutet, dass Sie Vertrauen in die Eigenverantwortung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben müssen. Auf Dauer kann dies zu einer großen Entlastung führen, da Sie einen Teil ihrer Verantwortung an Ihr Team delegieren können und mehr Freiheit für sich selbst gewinnen.

Tipp: Gerade in Hinblick auf die Digitalisierung bietet die Krise eine große Chance: Richten Sie digitale Sozialräume ein und organisieren Sie Video-Konferenz-Treffen mit Ihrem Team. Auch mit Messenger-Apps können Sie soziale Kontakte aufrechterhalten. Führung sollte ein bis zwei Drittel Ihrer Arbeit ausmachen – gerade in unübersichtlichen Zeiten gewinnt dieser Grundsatz an Bedeutung. Seien Sie zu festen oder verabredeten Zeiten ansprechbar, informieren Sie transparent über Entscheidungen und sichern Sie Ihre Unterstützung zu. Geben Sie den Rahmen für die Arbeit vor, aber lassen Sie genügend Freiheit für eigene Flexibilität der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

5: Eigene Haltung und Werte überdenken
Je unsicherer eine Situation ist, desto wichtiger ist die Haltung der Führung. Natürlich ist die Entwicklung einer inneren Haltung ein Prozess, der so individuell ist wie die eigene Persönlichkeit. Sie kann nicht durch Techniken oder Methoden eingeübt werden, sondern bedarf stattdessen einer intensiven Auseinandersetzung mit den eigenen Werten.

Tipp: Die Haltung sollte zu den eigenen Werten im Beruf und im Leben und zum persönlichen Weltbild passen. Und sie sollte mit der Wertekultur und den Zielen des Unternehmens im Einklang sein. Nutzen Sie die erzwungene Auszeit vom betrieblichen Alltagsgeschäft als Chance zur Reflexion: An welchen Werten orientiert sich mein Handeln? Bin ich meinen Beschäftigten gegenüber transparent? Bin ich selbst von den Werten und Zielen meines Unternehmens überzeugt? Wodurch zeichnet sich für mich glaubwürdiges Handeln aus? Folgende Aspekte und Botschaften helfen dabei, die Basis für eine gute und gesunde Führungshaltung zu entwickeln:

  • Achtsamkeit – Ich nehme Dich wahr
  • Offenheit – Ich interessiere mich für Deine Ideen.
  • Wertschätzung – Ich schätze Deine Werte.
  • Empathie – Ich verstehe Dich und zeige Dir das auch.
  • Respekt – Ich achte Dich als Persönlichkeit.
  • Gelassenheit – Ich bin Dein Ruhepol.
  • Flexibilität – Ich bin bereit, mit Dir neue Wege zu gehen.
  • Vertrauen – Ich bin überzeugt, dass Du es kannst.
  • Augenhöhe – Wir können beide voneinander lernen.

Informationen zu allen Handlungsfeldern rund um Sicherheit und Gesundheit finden Sie auf der Webseite der Kampagne kommmitmensch.