Nachrichten der Unfallkasse NRW

Rückwärtsfahren von Abfallsammelfahrzeugen

[05.01.2017] Fachtagung „Abfallsammlung“ der Unfallkasse NRW

Selten wurde ein Arbeitsschutzthema in den letzten Jahren bundesweit so intensiv diskutiert wie das „Rückwärtsfahren von Abfallsammelfahrzeugen“. Im Fokus der Fragestellungen aus den Entsorgungsunternehmen standen dabei immer wieder die zu erwartende neue Branchenregel „Abfallsammlung“ und der Einsatz von Rückfahrassistenzsystemen.

Der enorme Beratungsbedarf war für die Unfallkasse NRW schon frühzeitig erkennbar. Deshalb wurde mit der Fachtagung „Abfallsammlung“ ein Forum geschaffen, um gemeinsam mit den kommunalen Entsorgungsunternehmen aus Nordrhein-Westfalen Erfahrungen auszutauschen, gute betriebliche Beispiele vorzustellen und aktuelle Entwicklungen zu diskutieren.

Unterstützt wurde die Unfallkasse NRW von zahlreichen Fachleuten aus den Entsorgungsunternehmen, Herstellern von Rückfahrassistenzsystemen und anderen Berufsgenossenschaften und Unfallkassen sowie von weiteren Experten.

Mit der Berücksichtigung der Vorgaben aus dem Verkehrsrecht und dem Arbeitsschutzrecht sowie dem möglichen Einsatz neuer Technologien ist das Rückwärtsfahren ein sehr komplexes Arbeitsschutzthema. Deshalb wurde die Fachtagung „Abfallsammlung“ inhaltlich so konzipiert, dass den Entsorgungsunternehmen für die Durchführung der Gefährdungsbeurteilung zahlreiche Entscheidungshilfen vorgestellt wurden.

Zu Beginn der Veranstaltung konnte Dirk Füting, Leiter des Sachgebietes Abfallwirtschaft der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), eine langerwartete Mitteilung verkünden. Sozusagen passend zur Fachtagung beschloss der Grundsatzausschuss Prävention der DGUV
zeitnah am 24.10.2016 die neue Branchenregel „Abfallsammlung“.

Damit steht den Entsorgungsunternehmen nunmehr eine wichtige Hilfestellung zur Verfügung, wie die Sicherheit beim Rückwärtsfahren gewährleistet werden kann, ohne dass die betriebliche Praxis außer Acht gelassen wird und ohne die Bürgerfreundlichkeit übermäßig einzuschränken. Demnach kann die Abfallsammlung so geplant werden, dass in Ausnahmefällen auch Rückwärtsfahrten möglich sind, wenn entsprechende Schutzmaßnahmen festgelegt sind.

Als technische Schutzmaßnahmen zur Risikominimierung wurden auf dem Außengelände verschiedene Rückfahrassistenzsysteme vorgestellt. Diese Systeme sind schon heute in Abfallsammelfahrzeugen eingebaut und tagtäglich im Einsatz. Sie wurden von Herstellern und Mitgliedsbetrieben der Unfallkasse NRW für die praktische Vorführung zur Verfügung gestellt. Die positive Resonanz der Teilnehmer und die umlagerten Fahrzeuge zeigten deutlich, wie wichtig derartige gemeinsame Veranstaltungen für den überbetrieblichen Erfahrungsaustausch sind.
Kamerasysteme können beim Rückwärtsfahren unterstützen

Das zeigte sich auch bei der Vorstellung organisatorischer Schutzmaßnahmen, als betriebliche Fachleute aus den Entsorgungsunternehmen über praktische Erfahrungen bei der Erstellung des Rückfahrkatasters oder den Einsatz alternativer Fahrzeuggrößen berichteten. Auch diese guten Beispiele fanden bei den Teilnehmern ein offenes Ohr und wurden entsprechend rege diskutiert.

Die Fachtagung „Abfallsammlung“ entwickelte sich schnell zu dem beabsichtigten überbetrieblichen Forum, in dem praxisgerechte Lösungen für den Arbeitsschutz bei der Abfallsammlung ausgetauscht werden konnten. Derart gerüstet verfügen die Entsorgungsunternehmen nunmehr über vielfältige Informationen und Hilfestellungen für die Gefährdungsbeurteilung, damit sie die sichere Durchführung der Abfallsammlung für ihre Beschäftigten und für die Bürgerinnen und Bürger feststellen und gewährleisten können.

Der große Erfolg der Fachtagung „Abfallsammlung“ war eine Bestätigung der zielgerichteten und aktuellen Präventionsarbeit bei der Unfallkasse NRW und ein Beleg für die enge Zusammenarbeit mit den kommunalen Entsorgungsunternehmen in Nordrhein-Westfalen.

Der Bericht ist auch in unserer ZeichtschriftBlickpunkt UK NRW  im Dezember 2016 erschienen.