Nachrichten der Unfallkasse NRW

Auf der Arbeit mit Suizid und Suizidversuchen konfrontiert

Theodor Blättler und Manfred Sterzl von der Unfallkasse NRW, Dr. Martina Lukas-Nülle, LWL, sowie Carina Armgart, Dr. Franciska Illes und Prof. Dr. Georg Juckel vom LWL-Universitätsklinikum Bochum (v.l.n.r.):
[05.09.2012] LWL-Universitätsklinikum Bochum und Unfallkasse NRW stellen Bewältigungskonzept für Beschäftigte vor

Die Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Präventivmedizin des LWL-Universitätsklinikums Bochum und die Unfallkasse NRW haben gemeinsam ein Konzept erstellt, das Menschen, die in ihrem Berufsalltag mit einem Suizid oder Suizidversuch zufällig konfrontiert wurden, psychologische Unterstützung bietet.
Durch den Suizid einer Person sind durchschnittlich acht weitere Menschen mit betroffen. Hierzu zählen neben den Angehörigen auch Beschäftigte im Gesundheitswesen, wie z.B. Ärzte, Psychologen, Pflegekräfte, Pädagogen oder Mitarbeitende des Rettungsdienstes und der Feuerwehr. Beschäftigte dieser Berufsgruppen können im Rahmen ihrer Tätigkeit auf unterschiedlichen Ebenen Kontakt zu suizidalen Personen haben.
Einen Suizid(-versuch) zu erleben, den Betroffenen aufzufinden oder einen Patienten durch einen Suizid zu verlieren, kann eine große psychische Belastung für betroffene Mitarbeiter darstellen. Das Risiko einer solchen Belastung ist nicht zu unterschätzen, da der Suizid weltweit als eine der häufigsten Todesursachen gilt. In Deutschland sterben jährlich ungefähr 10.000 Menschen durch einen Suizid, die Zahl der Verkehrstoten liegt im Vergleich deutlich darunter.

„Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die solche Situationen erleben, haben unter anderem Schuldgefühle bis hin zu Zweifeln an der eigenen beruflichen Kompetenz“, beschreibt Manfred Sterzl, Leiter des Dezernats Prävention der Unfallkasse NRW. „Gerade für den Arbeits- und Gesundheitsschutz gilt es, diese tragischen Erlebnisse zu bewältigen“, so Sterzl weiter.

Ziel ist die Erhaltung der psychischen Gesundheit von betroffenen Beschäftigten und die Prävention von psychischen oder psychosomatischen Folgeerkrankungen. Das Bewältigungskonzept umfasst Strategien, die sowohl im Vorfeld eines Suizides angewendet werden können, als auch Strategien, die nach dem Eintritt eines solchen Ereignisses unterstützen sollen. „Das Konzept bietet Hintergrundinformationen zum Thema Suizid und zum Umgang mit suizidalen Personen“, skizziert Prof. Dr. med. Georg Juckel, Ärztlicher Direktor des LWL-Universitätsklinikums Bochum.  „Weiterhin informiert es über günstige Arbeitsbedingungen und Kommunikationsstrukturen in Teams, die mit suizidalen Menschen arbeiten.“ Darüber hinaus stellt das Bewältigungskonzept mögliche Strategien zur Unterstützung von Mitarbeitenden bzw. Teams bereit, die mit einem Suizid konfrontiert werden.

Interessierte Einrichtungen im Gesundheitswesen können das Bewältigungskonzept in Form von Schulungen kennen lernen. Die Schulungen richten sich an interessierte Mitarbeiter und Teams sowie Führungskräfte.

Nähere Informationen finden Sie hier.
oder auf den Seiten des Landschaftsverbandes Westfalen Lippe (LWL):
http://www.lwl.org/

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