Nachrichten der Unfallkasse NRW

7 Tipps, um die psychische Gesundheit im Homeoffice zu stärken

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[15.04.2020]

Das Corona-Virus hat seit Wochen unseren privaten sowie beruflichen Alltag umgekrempelt. Psychisch wird dabei viel von uns abverlangt - unangenehme Gefühle wie Ängste, Unsicherheit und Ärger sind für viele Menschen zu alltäglichen Begleitern geworden. Gleichwohl erleben einige mehr Raum für Inne- und Zusammenhalt. So oder so - es geht es darum, sich auf diese neue Situation einzustellen. Die Bedingungen könnten dabei individueller nicht sein.

Homeoffice
Während die einen tatkräftig unsere Versorgungsstrukturen sicherstellen, andere mit Kurzarbeit oder auch existenziellen Sorgen zu kämpfen haben, halten viele Beschäftigte im öffentlichen Dienst die Stellung – oft dankbar, der eigenen Arbeit weiter nachgehen zu können. Diese doch plötzliche und ja „unfreiwillige“ Änderung der Arbeitsumgebung bringt jedoch auch die Gefahr psychischer Fehlbelastungen mit sich – allein die Unsicherheit darüber, wie lange es noch so weitergehen mag. Die beruflichen Kontakte brechen weg, die Tagesstruktur leidet. Viele sehen sich nun in der Situation im familiären Umfeld auf engstem Raum produktiv arbeiten zu müssen. Eine mangelnde Arbeitsausstattung oder die langsame Internetverbindung kann zur Nervensache werden. Gleichzeitig setzen sich Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer unter Druck, ihre Arbeitsleistung unter Beweis stellen zu wollen.
Mit diesen Tipps können Sie psychischen Fehlbelastungen im Homeoffice vorbeugen:

1. Tagesstruktur
Planen Sie Ihren Tag mit Aufgaben, Aktivitäten und Pausen. Gestalten Sie die Zeiteinteilung möglichst ähnlich zu Ihrem üblichen Arbeitsalltag: Stehen Sie zur gleichen Uhrzeit auf. Bleiben Sie nicht im Schlafanzug. Starten und beenden Sie ihre Arbeit bewusst. Nutzen Sie Rituale, um ihren Arbeitstag morgens zu beginnenund abends den Feierabend einzuleiten.

2. Soziale Kontakte

Bleiben Sie auch beruflich in sozialem Kontakt. Führen Sie jeden Tag mindestens ein Gespräch mit einer Kollegin oder einem Kollegen – auch wenn es nur ganz kurz ist. Auch gemeinsame Meetings sind dank digitaler Ansätze immer besser möglich.

3. Arbeit und Freizeit in guter Balance
Klare Grenzen zwischen Arbeiten und Freizeit verwischen oftmals. Auf der einen Seite können passende Räumlichkeiten oder ausreichend Ruhe zum Arbeiten fehlen, auf der anderen Seite kann es schwerfallen nach getaner Arbeit Abstand zu gewinnen. Eine gute Organisation und kreative Lösungen können Abhilfe schaffen: Richten Sie sich einen Arbeitsplatz ein so gut es unter den aktuellen Umständen eben geht. Er sollte möglichst nur von den Dingen umgeben sein, die Sie zum Arbeiten brauchen (z. B. Laptop, Telefon, Stift, Papier, eine Tasse Tee oder Kaffee?). Treffen Sie klare Absprachen in der Familie: Wer ist wann, für was zuständig? Mit Kindern ab ca. fünf Jahre kann man einen Tagesplan machen. Schaffen Sie Ruhephasen – z. B. eine Schleife an der Wohnzimmertür signalisiert: bitte nicht stören.

4. Kleine Highlights und Pausen
Unterteilen Sie Ihre Arbeit in kleine Häppchen. Machen Sie spätestens nach 30-45 Minuten eine kurze Pause und sorgen Sie für kleine „Highlights“. Ein Kaffee oder Tee oder ein leckerer Snack bringen neue Energie.

5. Bewegung
Bauen Sie aktive Arbeitspausen in Ihren Tagesplan ein. Sie bieten eine schöne Möglichkeit, auch zwischendurch für Bewegung zu sorgen. Körperliche Aktivität zählt nämlich zu den wichtigsten schützenden Faktoren für Psyche und Körper und wird beim Arbeiten Zuhause oft vernachlässigt.

6. Belohnungen
Planen Sie auch Ihre Aktivitäten nach der Arbeit. Machen Sie eine Liste mit schönen Dingen, die Sie unter den aktuellen Umständen draußen oder drinnen unternehmen können. Wie können Sie Aktivitäten anpassen, die Sie vorher unternommen haben? Statt Freunde treffen: telefonieren Sie, auch wenn es nur wenige Minuten sind, statt Kino: mal wieder ein Buch lesen, ...

7. Und wenn es doch zu viel wird: Unterstützung nutzen!
Manchmal können die gegebenen Umstände sehr schwierig sein und beispielsweise zu innerfamiliären Konflikten führen. Wenn Sie nicht mehr weiterwissen: holen Sie sich Hilfe. Professionelle Hilfe bietet beispielsweise die Psychotherapeutenkammer NRW an. Außerdem unterstützt die Telefonseelsorge Ratsuchende über eine anonyme Hotline im Umgang mit dieser Situation. Die Hotline ist rund um die Uhr unter der Rufnummer 0800 111 0 111 oder 116 123 zu erreichen.

Tipps für Führungskräfte

Die aktuelle Situation löst viel Unsicherheit aus und macht Führung umso wichtiger. Gleichzeitig fehlt ein regelmäßiger Kontakt zwischen Führungskraft und Mitarbeitenden. Erkundigen Sie sich, welche Form der Unterstützung Ihr Team jetzt von Ihnen braucht – ein regelmäßiger Austausch zu vereinbarten Zeiten kann hilfreich sein. Bringen Sie Ihre Wertschätzung für das Engagement der Mitarbeitenden zum Ausdruck und fragen Sie nach dem Befinden. Und holen auch Sie sich Unterstützung, wenn Sie verunsichert sind

Noch mehr Tipps für Führungskräfte finden Sie in der aktuellen Ausgabe unseres Magazins topeins sowie auf der Webseite unserer Präventionskampagne kommitmensch.