Sicherheits-Forum Feuerwehr 2017

Ende September richtete die Unfallkasse NRW (UK NRW) erneut das Sicherheits-Forum Feuerwehr (SFF) aus. Bereits zum zehnten Mal lud die UK NRW Fachleute der Freiwilligen Feuerwehren und der Kommunen zu einem Forum zum Meinungs-, Erfahrungs- und Wissensaustausch ein. Unter den Teilnehmern waren Sicherheitsbeauftrage, Wehrführer, Vertreter des Verbandes der Feuerwehren in NRW und kommunale Bedienstete.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden von Johannes Plönes, stellvertretender Geschäftsführer der UK NRW, begrüßt. Einleitend gab Plönes den Teilnehmern einen Rückblick der vergangenen Jahre des SFF. Anschließend stellte er den Anwesenden die folgenden Referenten vor und gab einen kurzen Abriss über die Referate.

Als erster Referent startet Dipl.-Ing. Christian Pannier, Produktmanager der LHD Group Deutschland GmbH, zum Thema Schutzkleidung für Technische Hilfeleistungseinsatz nach der DIN EN 16689. Diese Norm regelt die Schutzbekleidung für Einsätze. Er stellte zur Diskussion, ob die Einsatzbekleidung für einen Einsatz zur technischen Hilfeleistung (TH) die gleiche sein muss, wie die zur Brandbekämpfung. Weiter zeigte er die Probleme auf, die die Norm mit sich bringt. Hier bezog er sich u.a. auf die Taschen, Knöpfe und Sichtbarkeit. Außerdem thematisierte Pannier die geplante EN 13911:2017 -Schutzkleidung für die Feuerwehr - Anforderungen und Prüfverfahren für Feuerschutzhauben für die Feuerwehr. Diese Norm legt Mindestsicherheitsanforderungen und Prüfverfahren für die bei der Brandbekämpfung zu tragenden Feuerschutzhauben fest.

 

Der zweite Referent war Christian Hennings, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Laser Zentrum Hannover e.v. Er stellte ein sich noch in der Entwicklung befindliches Lasersystem zur Rettung bei komplexen Unfällen vor. Mittlerweile verbauen Automobilhersteller immer festere Materialien, welche die herkömmlichen Rettungsmittel teilweise an ihre Grenzen führen. So ist die Entwicklung eines robusten, mobilen Laserschneidsystems für die schonende und schnelle Rettung eingeschlossener Personen aus PKW, LKW oder Zügen unabdingbar. Vorteil des Lasers sei die Schneidleistung, welche unabhängig vom verwendeten Werkstoff möglich ist. Die großen Herausforderungen dieses Projektes sind die Gewährleistung der Sicherheit der verunfallten Person sowie die Mobilität, die Robustheit, die Flexibilität, die Kompaktheit und das geringe Gewicht des Lasers. In wie weit dies kompatibel für die Feuerwehr wird, bleibt abzuwarten.

 

Nach der Mittagspause, die zum regen Austauschen der Teilnehmer auch mit den Dozenten genutzt wurde, referierte Dr. Janina Lara Dressler über das Thema „Gewalt gegen Rettungskräfte – eine kriminologische Großstadtanalyse“. Die Promovendin des Kriminologischen Seminars der juristischen Fakultät der Uni Bonn hat bundesweit Feuerwehrleute und andere Rettungskräfte zu dem Thema befragt – mit erschreckendem Ergebnis. Teil der Arbeit sind 1.659 schriftliche Befragungen sowie Gespräche mit Berufsfeuerwehrleuten an 25 Feuer- und Rettungswachen. Da nicht jeder Angriff zur Anzeige gebracht wird, sind Zahlen rund um die Gewaltkriminalität und Straftaten wenig aussagekräftig. In der Regel werden die Verfahren mangels öffentlichen Interesses eingestellt. Die Umfrage der Berufsfeuerwehren Hamburg, Berlin, München und Köln ergab, dass alleine in 2014 über 4.000 Fälle von Übergriffen stattfanden. Überwiegend waren dies klassische körperliche Auseinandersetzungen von Schubsen bis hin zu Fußtritten. Jede dritte Rettungskraft gab im Jahr der erhobenen Zahlen an, mindestens einmal mit Waffen bedroht, angegriffen oder mit Steinen beworfen worden zu sein. Als Tatmotive benennt Dressler Mangel an Respekt, kulturelle Differenzen oder die Abwehr medizinischer Maßnahmen. Deeskalation ist eine präventive Maßnahme, jedoch hat diese auch ihre Grenzen, wenn zum Beispiel sprachliche Barrieren bestehen oder aber die Aufnahmefähigkeit aufgrund Drogenkonsums o. ä. gemindert ist.

 

Den Abschluss bildete Martin Bach, Hauptabteilungsleiter Prävention der Regionaldirektion Westfalen-Lippe der UK NRW, mit seinem Vortrag „Arbeitsmedizinische Vorsorge vs. Tauglichkeit - Wer darf eine Tauglichkeit feststellten?

Bach berichtet, dass sich die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Feststellung einer körperlichen Eignung in der jüngsten Vergangenheit grundlegend verändert haben. Bisher konnten nach der Unfallverhütungsvorschrift (UVV) „Arbeitsmedizinische Vorsorge“ auch Tauglichkeitsuntersuchungen durchgeführt werden. Diese UVV musste zurückgezogen werden, da  eine „Arbeitsmedizinische Vorsorgeverordung“  als staatliches Regelungswerk neu erschienen ist. Diese Verordnung regelt nur noch die Arbeitsmedizinische  Vorsorge, welche auch nur von Arbeits- und Betriebsmediziner durchgeführt werden dürfen. Eignungsfeststellungen sind aufgrund dieser Verordnung nicht möglich.

Ehrenamtliche Feuerwehrangehörige, die als Atemschutzgeräteträger eingesetzt werden sollen, müssen nun von geeigneten Ärzten nach aktuellem Stand der Medizin untersucht werden. Die Bescheinigung hierüber geht an den Träger des Brandschutzes. Dieses Verfahren ist auch im derzeitigen Entwurf der überarbeiteten UVV „Feuerwehren“ näher beschrieben.

hilfreiche Vordrucke:

Eignungsuntersuchung G26.3 - Anschreiben Arzt - Word-Datei

Eignungsuntersuchung G26.3 - Anschreiben Arzt - pdf-Datei

Ärztliche Bescheinigung G 26.3 - Word-Datei

Ärztliche Bescheinigung G 26.3 - pdf-Datei

 

 

Im Anschluss an die jeweiligen Vorträge hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeiten, den Vortragenden Fragen zu stellen und die Themen zu diskutieren.