Sicherheits-Forum Feuerwehr 2018

„Feuerwehr: Sicher und gesund“

Wie in den vergangenen Jahren bot die Unfallkasse NRW auch 2018 den Fachleuten der Freiwilligen Feuerwehren und der Kommunen in NRW ein Forum zum Meinungs-, Erfahrungs- und Wissensaustausch. Dieses stand unter der Überschrift „Feuerwehr: Sicher und gesund“. Bereits zum elften Mal lud die Unfallkasse NRW zum Sicherheits-Forum Feuerwehr ein und konnte über einhundert Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 70 Feuerwehren in Gladbeck begrüßen.

Johannes Plönes, stellvertretender Geschäftsführer der Unfallkasse NRW, begrüßte die Anwesenden und berichtete zur Tradition des Sicherheits-Forums Feuerwehr der Unfallkasse NRW. Auch in diesem Jahr besteht die Möglichkeit, mit den Referenten, den Experten der Unfallkasse NRW und mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ausführlich ins Gespräch zu kommen.

 

Eike Marek, Master of Sience im Bereich Sportwissenschaften und Biologie, vom Institut für Prävention und Arbeitsmedizin (IPA) der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), eröffnete die Vortragreihe mit dem Thema „Körperliche Belastungen beim Atemschutzeinsatz“.

Am Bochumer IPA ist eine Studie mit dem Titel: „Messung der Leistungsfähigkeit von Feuerwehrleuten unter verschiedenen Belastungsbedingungen" in Zusammenarbeit mit dem Sachgebiet "Feuerwehren und Hilfeleistungsorganisationen" der DGUV konzipiert worden.

In der Studie werden die Probanden, 100 Feuerwehrleuten zwischen 20 und 50 Jahren, in vier unterschiedlichen Situationen untersucht und ihre körperliche Beanspruchung gemessen. Die vorgesehene fahrradergometrische Belastung ist die Basis und wird am Ende mit drei weiteren Belastungssituationen – an unterschiedlichen Tagen – verglichen: Zum einen mit der Belastungssituation in der Feuerwehrübungsstrecke. Das IPA misst dabei die körperliche Belastung mit einem mobilen Spiroergometriesystem, das weniger als 500 Gramm wiegt. Die zweite Belastungssituation stellt die Realbrandausbildung dar. Die Feuerwehrleute müssen einen Brand in einer Simulationsanlage löschen, wobei zusätzlich zum Tragen des Atemschutzgerätes und der körperlichen Belastung auch Hitze einwirkt. Der reale Einsatz ist dann die dritte Belastungssituation. Die Feuerwehrleute werden über 24 Stunden untersucht. Sie tragen Pulsgurte, mit denen die Herzfrequenz und die Herzfrequenzvariabilität erfasst werden. Zusätzlich wird zum Beispiel auch der Einfluss der hochisolierenden Schutzausrüstung untersucht.

Übergeordnetes Ziel des Projektes ist es, die Leistungsanforderungen nach den Vorgaben der Tabelle aus dem Anhang 2 der DGUV-Grundsätze mit den realen, heutigen Belastungen von Feuerwehrleuten im Einsatz zu vergleichen. Das Projekt soll dabei helfen, mögliche Gefahren zu erkennen und die Prävention zu verbessern und zu optimieren. Die Ergebnisse sollen in Hinweisen münden, wie die Sicherheit von Feuerwehreinsatzkräften während des Einsatzes erhöht werden kann.

 

Nach Überleitung durch Martin Bach, Hauptabteilungsleiter Prävention der Regionaldirektion Westfalen Lippe der Unfallkasse NRW, sprach Dr. Dirk Taeger, ebenfalls vom IPA der DGUV, zum Thema „Krebsrisiko im Feuerwehrdienst“. Er referierte ausführlich über das Forschungsprojekt „Krebsrisiken bei Feuerwehreinsatzkräften“, dessen Hintergründe und Zustandekommen.

Ziel der Studie ist es, die Aufnahme von polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK), die in jedem Brandrauch zu finden sind, für typische Brandereignisse quantitativ zu bestimmen. Dazu werden nach der Brandbekämpfung von einem Teil der Einsatzkräfte für das sogenannte Biomonitoring Urinproben gesammelt und ausgewertet. Ein PAK-Abbauprodukt, welches auch quantitativ leicht nachweisbar ist, dient als Leitsubstanz. Durch eine spezielle Unterkleidung sollen auch noch die möglichen Kontaktstellen zur Haut ermittelt werden.

Für die Datensammlung bei den Brandszenarien stehen Feuerwachen in Berlin, Hamburg und Bochum zur Verfügung. Die Pilotphase bei der Feuerwehr Bochum konnte Anfang Mai 2018 erfolgreich abgeschlossen werden. Im März und April 2018 wurden Informationsveranstaltungen für die Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehr Hamburg und Berufsfeuerwehr Hamburg durchgeführt. Im Juli 2018 startete die Probennahme bei der Feuerwehr Hamburg, zuerst bei der Berufsfeuerwehr, dann bei der Freiwilligen Feuerwehr.

Die Feuerwehr Berlin wird derzeit über das Verfahren informiert und die Vorbereitungen für die Logistik (Transport und Aufbewahrung der Proben und Unterkleidung) getroffen. Die Hauptstudie in Berlin soll noch in diesem Jahr starten und die Probengewinnung abgeschlossen sein. Parallel werden die Proben aus Hamburg ausgewertet.

Neben dem messtechnischen Teil des Projektes werden parallel noch Maßnahmen zur Vermeidung von Kontamination mit PAK entwickelt.

 

 

Nach der Mittagspause, die auch für den regen Austausch zwischen den Teilnehmenden genutzt wurde, führte Dr. Christoph Schäfer, vom Institut für Arbeitsschutz (IFA) der DGUV, die Vortragsreihe fort. Er referierte über die Studie „Heben und Tragen im Rettungsdienst“. Einen ausführlichen Bericht über die Studie finden Sie auf Seiten 38 bis 41 der Ausgabe 11/2018 der Zeitschrift FEUERWEHReinsatz:nrw.

 

Der abschließende Vortrag wurde von Stefan Grobelny vom Institut für Feuerwehr und Rettungstechnologie Dortmund zum Projekt „ATHEBOS – Fehlerkultur bei der Feuerwehr“ gehalten. Hinter dem Akronym ATHEBOS verbirgt sich folgender Projekttitel: „Analyse Taktisch-operativer Handlungsabweichungen (Fehler) im Einsatzgeschehen von Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben. Grobelny stellte fest, dass eine Fehlerkultur bei der Feuerwehr noch nicht sehr ausgeprägt sei. Bisher mangelt es an der Fehlererhebung und -erfassung. Fehler werden tabuisiert und „Beinahe-Unfälle“ nicht zur Auswertung heran gezogen.

Ziel des Projektes ATHEBOS ist die Einführung eines Fehlermanagementkonzeptes auf allen hierarchischen Ebenen zur Initiierung einer Fehlerkultur bei Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben.

 

 

Im Anschluss an die jeweiligen Vorträge hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeiten, den Vortragenden Fragen zu stellen und die Themen zu diskutieren.